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Re: Mein halbes Herz und ich in einem Trauerseminar ...
von: Julia ()
Datum: 27.06.2009 05:00:46

Liebe Anita,

ich schreibe Dir, weil ich sehe, dass Du mir sehr weit in Deiner Trauer zu sein scheinst und weil ich ebenfalls meine Schwester verloren habe - an einer Gehirnblutung, im Oktober 2008. Sie ist innerhalb von zwei Tagen gestorben und sie ist mir der nächste Mensch in meinem Leben gewesen, wir waren so unterschiedlich, haben aber doch so eine feste Symbiose gebildet,uns vertreten vor den Freunden,der Gesellschaft,der Familie.
Das sind jetzt ein paar Monate und ich habe mich sehr bewusst mit meiner Trauer auseinandergesetzt, weil ich wusste, dass die Nichtauseinandersetzung zum Ende meines eigenen Lebens geführt hätte. ich habe ihr zum fast jeden tag einen brief geschrieben, das ist meine art zu kommunizieren, das schreiben.
Ich breche immer wieder an der Erinnerung, dass wir uns noch zu Lebzeiten gesagt haben, wie sehr wir uns lieben und dass es das schlimmste für uns wäre, wenn einer von uns sterben würde.
ich habe einen festen partner, der mich liebt, ich habe sehr gute freundinnen; eine arbeit in einem medienberuf, der früher mein traumberuf gewesen wäre.
ich habe fest an mir gearbeitet, um das unfassbare fassbar zu machen – ich habe die liebe akzeptiert, die weiter besteht und ich habe viel über den tod und das leben begriffen. ich denke, dass in allem schlechten etwas gutes lebt und dass die liebsten nur einmal für einen sterben.
dennoch bin ich am ende. meine energien sind aufgebraucht, meine arbeit wird immer schlimmer. ich weiss, dass meine schwester sowie meine familie sich so sehr gewünscht haben,dass ich dort bestehe.
ich denke täglich daran, zu bestehen, aber es ist wie eine klebefolie, die über mich gelegt wird, um das, was mir wichtig ist, nicht auszuatmen.
ich versuche, ins leben zurück zu kommen, ich möchte es schaffen für die anderen, die dort und die da sind, aber das was wirklich wichtig ist, das erledige ich in der wenigen freizeit, die ich habe. Was wird aus mir? Hast Du das mittlerweile für dich in Erfahrung gebracht?
ich weiss aus deinem bericht, dass du das trauerseminar mitgemacht hast und dass es dir anscheinend viel bedeutet hat.
ich bin mir nicht sicher, ob es was für mich wäre, aber ich weiss, dass ich etwas tun muss, um irgendwann eine art von glück wieder empfinden zu könnnen.
Oder ist es etwa möglich, dass mit so einem verlust, das glück nie mehr zurückkommt?
Ich weiss, dass das sehr intim ist, ich würde mich trotzdem über eine antwort freuen, wenn du möchtest.
viele grüße, julia



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Mein halbes Herz und ich in einem Trauerseminar ... 4179 anitaS 24.08.2008 19:41
Re: Mein halbes Herz und ich in einem Trauerseminar ...1812Julia27.06.2009 05:00
Re: Mein halbes Herz und ich in einem Trauerseminar ... 1662 anitaS 05.07.2009 20:27
Erfahrungen?... 1499 regiK 13.02.2010 23:25
Re: Erfahrungen?... 1368 Adolf 01.04.2010 14:22
Re: Erfahrungen?... 1777 regiK 04.04.2010 16:38


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