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Erfahrungsbericht aus den online und offline Trauerseminaren www.trauer.org / www.trauerherberge.de 
Ich wollte tot - sein dann wollte ich leben - jetzt lebe ich
von: NR ()
Datum: 01.09.2011 21:34:38

Erfahrungsbericht Trauerseminar 12-Ge(h) Zeiten

Ich wollte tot sein - dann wollte ich leben - jetzt lebe ich

Am Anfang war nur Schmerz - da saß ich in England vor dem PC meiner Schwiegereltern und googelte vor Verzweiflung die Worte - Selbsthilfegruppe Trauer - Trauer - Hilfe bei Todesfall etc. Ich musste Menschen finden, die das auch erlebten am Besten noch Menschen, die das schon überlebt hatten, wenn es die denn gab, denn ich war mir zu dem Zeitpunkt fast sicher, man kann das nicht überleben so unendlich war der Schmerz. Ich wusste auf einmal es ist wahr, man kann am gebrochenen Herzen sterben. Es stach so sehr, als säße ein Ungeheuer in meiner Brust das unbarmherzig mit einer Axt auf meine Seele und mein Herz ein hieb.

Er ist tot, Simon ist tot. Tot...Tot...TOT!!!! schrie es stumm in meinem Hirn. Er ist nicht mehr da, er ist ertrunken im Oman. Ich werde ihn nie mehr wieder sehen, ich werde ihn nie wieder hören, ich werde nie wieder seine Wärme spüren, seine Hand halten, in seine Augen sehen. NIE MEHR.

So war die Suche im Internet nach - Mitleidenden - gleichzeitig auch der Versuch irgendwie Zeit des Tages tot zu schlagen (welch grotesker Ausdruck in dem Zusammenhang), aber es ist wahr. Ich denke viele, die diesen Bericht lesen werden wissen, wovon ich spreche. Die Sekunden waren endlos für mich, denn ich konnte nicht lesen, ich konnte mich nicht ablenken in meinem ganz Dasein war nur diese eine Realität. Der Tod. Was sollte es da für einen Sinn machen, irgendetwas zu tun? Und doch ich war eben da und so einfach lässt es sich nicht verschwinden, ich habe auch nicht wirklich ernsthaft Pläne geschmiedet mir selbst das Leben zu nehmen, es war eher der Wunsch verschwinden zu wollen. Sich aufzulösen im Nichts. Besser nie wieder etwas spüren, als diese Qual. Ich musste gar nicht lange googeln und kam so auf die Seite www.trauer.org.

Hier las ich zuerst über ein Buch einer Frau, die Ihren Sohn verloren hatte. Ich las, und las und kam so auch auf das Forum in dem man sich schriftlich mit anderen Trauernden unterhalten kann. Zuerst habe ich hier nur - still - mitgelesen. Ich wollte lieber noch nach einer Gruppe in meiner Nähe suchen, eine Selbsthilfegruppe vielleicht. Ich habe auch nicht gleich auf der Seite gesehen, dass es Seminare gibt, die obwohl sie zum großen Teil Online abgehalten werden auch mit persönlichen Treffen gekoppelt sind. Auch war ich noch so im Schock und in der Depression, dass ich mich also still im Hintergrund hielt. Ich war zu der Zeit noch in England. Simon, war Engländer und so war auch die Beerdigung und die Trauerfeier dort. Dies war Dezember 2009.

Im Januar 2010 nachdem ich zunächst vergeblich nach einer Gruppe in meiner Nähe gesucht hatte, habe ich dann das Forum genutzt. Ich habe mein Herz ausgeschüttet und meine Geschichte rein geschrieben und ich habe gleich verständnisvolle Antworten bekommen und ich wusste dies sind Menschen, die erleben es auch, wenn auch jeder auf seine ganz individuelle Weise. Aber niemand brachte dämliche Sprüche, wie - das Leben geht weiter - etc. die mir schon so zum Hals heraushingen. Ich hätte teilweise Freunde von mir anschreien können aber heute verstehe ich, dass Sie einfach nicht wussten, was sie sagen sollten und auch nicht wussten, dass es manchmal besser ist zu sagen, dass man nicht weiß was man sagen soll statt solcher Plattitüden.

Im Februar 2010 fand ich eine Veranstaltung, ein Wochenende für Trauernde in meiner Region, dieses Wochenende hatte zwar nichts mit trauer.org zu tun, aber dort wurde mir klar, wie wichtig der persönliche Kontakt mir ist und auch wie gut es tat sich dort bei den Kurs-Moderatoren gut aufgehoben zu fühlen. Ich hatte mich mittlerweile schon über das Online Seminar bei Adolf Pfeiffer (Adi) erkundigt und nun war ich sicher, ich würde mich anmelden. Und das tat ich dann auch.

Die monatlichen Chats taten mir schon von Anfang an sehr gut, auch wenn es zunächst ein rein - digitaler - Kontakt über Chat war, so war es doch schon ein Unterschied in einer festen - Gruppe - zu sein und beim Chat ohne Verzögerung Antworten zu bekommen. Noch zu Beginn des Abenteuers Geh-Zeiten hatten wir das erste persönliche Treffen in der Herberge der Trauer bei Adi und seiner Frau in Arzbach. Im Juli 2010. Von diesem Wochenende bin ich zwar immer noch voller Trauer aber auch voller Liebe und dem Gefühl - aufgehoben - zu sein nach Hause gefahren. Ich habe eine unglaubliche Begegnung mit einem Menschen gehabt an diesem Wochenende, die mich sehr in meiner Überzeugung bezüglich dem Leben und dem Leben danach geprägt hat.

Seit diesem ersten Seminarwochenende war es auch ein ganz anderes Gefühl miteinander im Chat und im Seminarraum Kontakt zu haben, denn wenn man sich einmal in die Augen gesehen hat ist einfach alles anders.

Meiner Erfahrungen mit dem Seminar war durchweg positiv. Sicher, ist es nicht immer und nicht für jeden leicht, sich mit den Hausaufgaben zu beschäftigen, denn dies heißt, sich den Gefühlen zu stellen. Mir persönlich hat es unheimlich gut getan zu schreiben. Manchmal wusste ich nicht so recht wo anfangen, aber sobald ich loslegte flossen die Worte aus den Fingern und es hat mich sehr befreit und mir geholfen alles so in Worte zu fassen.

Es folgte das zweite Wochenende im November 2010. Dies kam für mich wie gerufen. Ich hatte wieder begonnen zu arbeiten und der Job war extrem stressig, ich fühlte mich wie kurz vor einem Zusammenbruch. So konnte ich an diesem Wochenende wieder auftanken und fühlte mich durch den Halt der Gruppe aufgehoben.

Unser Abschlusswochenende war im Juli 2011 und stand unter dem Thema - neue Identität - für mich war es sehr passend, denn das Jahr mit Adi und der Gruppe hat zu einem sehr, sehr großen Teil dazu beigetragen, dass es mir heute so geht, wie ich es für unmöglich gehalten hatte. Ich werde nie den Schmerz ganz verlieren, ich werde Simon für immer vermissen und ich habe auch Angst wieder zu verlieren, denn ich liebe auch wieder, aber ich höre die Vögel wieder, ich sehe die Sonne wieder, ich ärgere mich wieder über manches Alltägliche, ich lache wieder, an manchen Tagen geht es schlechter an manchen sehr gut - ich lebe wieder und ich werde nun die Ausbildung zur Trauerbegleiterin bei Adi machen.

Mein Dank gilt Adi und Gila, die diese wunderbare Herberge der Trauer mit so viel Liebe aufgebaut haben, dieser Raum ist für Menschen in der Trauer, Menschen wie uns unendlich wichtig und wertvoll. DANKE.

Mein Dank gilt auch allen weiteren Mitgliedern meiner Gruppe. Gott sei Dank bin ich Euch begegnet, Ihr seid alle unendlich wertvoll. DANKE.

01.09.2011. Nicola Rock



1 mal bearbeitet. Zuletzt am 02.09.2011 11:47 von Adolf.



BetreffAngeklicktvonDatum/Zeit
Ich wollte tot - sein dann wollte ich leben - jetzt lebe ich2080NR01.09.2011 21:34
Re: Ich wollte tot - sein dann wollte ich leben - jetzt lebe ich 991 grolierob 05.09.2011 22:02


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