Erfahrungsberichte Begleiterseminar :  Gästebuch The fastest message board... ever.
Erfahrungsbericht aus den Online und Offline Trauerbegleiterseminaren www.trauer.org / www.trauerherberge.de 
Ein intensives Jahr mit tief berührenden Erfahrungen
von: Thomas Lindner ()
Datum: 04.03.2012 17:26:35

Sehr gern berichte ich an dieser Stelle über meine Erfahrungen in der Trauerbegleiterausbildung.

Ich bin 56 Jahre alt, verheiratet und lebe mit meiner Frau und zwei Katzen in Mörfelden-Walldorf, 15 Kilometer südlich von Frankfurt am Main. Vor etwa zwölf Jahren begann für mich nach einer Lebenskrise und einer Depression eine persönliche und berufliche Neuorientierung. Berufsbegleitend - bis dahin war ich Fernsehredakteur und Filmautor gewesen –- absolvierte ich verschiedene Aus- und Weiterbildungen. Ich wurde Personalbetreuer und psychologischer Berater, später Heilpraktiker für Psychotherapie mit eigener Praxis.

Meine Depression war für mich zu einer „"Lebensschule"“ geworden, durch die ich auch einen Weg fand, meine eigene, bis dahin verdrängte Trauer zuzulassen und viel Trauerarbeit nachzuholen. In den Jahren des Umbruchs hatte ich zudem gelernt, dass nicht nur die Trauer um verstorbene nahestehende Menschen notwendig und heilsam ist. Auch der Verlust des Arbeitsplatzes zum Beispiel, eine schwere Krankheit, der Verlust von Hoffnungen, Plänen und Möglichkeiten müssen betrauert werden, damit neuer Lebensmut und neue Perspektiven entstehen können. In der Arbeit mit meinen Patienten und Klienten fand ich reichlich Bestätigung für diese Erfahrung, so dass ich den Wunsch verspürte, die erforderlichen Qualifikationen zu erwerben, um Menschen in ihrer Trauer kompetent begleiten zu können.

Die Entscheidung, an einem Internetseminar teilzunehmen, war für mich ein Wagnis. Bis dahin hatte ich kaum Erfahrungen mit Onlineforen und -chats gesammelt und schon gar nicht mit einer weitgehend im Internet stattfindenden Fortbildung. Zudem war ich unsicher, ob ein Onlineseminar das richtige Medium sein könnte für ein so sensibles Thema wie Trauerbegleitung. Andererseits lockte mich die Aussicht, dass ich mir die Zeit für die Arbeit am Lernstoff größtenteils variabel und meinen Möglichkeiten entsprechend einrichten könnte. Schließlich hatte ich Erfahrungsberichte ehemaliger Teilnehmer gelesen, die durchweg positiv und einladend waren. Jetzt, da unsere einjährige Fortbildung ihrem Ende zugeht, kann ich sagen: Ich bin sehr froh, dass ich mich auf dieses "„Abenteuer"“ eingelassen habe! Meine Erwartungen und Wünsche sind sämtlich in Erfüllung gegangen!

Aus meiner Sicht hat sich die Verbindung von Internetseminar und drei Wochenenden bei Adolf und Gila in der Herberge der Trauer in Arzbach absolut bewährt. Der auf insgesamt sieben Seminareinheiten verteilte Lernstoff wird zunächst durch Online-Skripte vermittelt. Zu jeder Seminareinheit sind jeweils Hausaufgaben zu erledigen, die Grundlagen der monatlichen Chats via Skype sind. Adis Kommentare und der Austausch in der Gruppe im Forum des Online-Seminarraums haben zum Verständnis und zur Vertiefung des Lernstoffs ganz erheblich beigetragen. Adi hat uns mit vielen Märchen, Gedichten und anderen Weisheitstexten, mit Büchern, Liedern, Ritualen und Methoden bekanntgemacht, die wir in die Arbeit mit Trauernden einbeziehen können, und wir als Teilnehmer haben immer wieder eigene "‚Entdeckungen"‘ eingebracht. Es war faszinierend zu erleben, wie im Lauf der Zeit der Online-Seminarraum zu einer großen Schatzkammer für Trauerthemen, Informationen, Ideen, Anregungen, Fallbeispiele, Erinnerungen an das gemeinsame Miteinander in der Gruppe etc. ausgestaltet wurde.

Unter inhaltlich-didaktischen, aber auch unter gruppendynamischen Gesichtspunkten fand ich es sehr gut, dass die Selbsterfahrungsanteile in der Fortbildung einen durchgehend hohen Stellenwert hatten. Ausführlich konnten wir im geschützten Raum des Seminars über eigene Verlust- und Trauererfahrungen sprechen. Wie sinnvoll das für das Zusammenwachsen der Gruppe war, zeigte sich auch in den Chats. Als Chat-Neuling brauchte ich eine Weile, bis ich einige Übung in dieser Kommunikationsform hatte. Bereits im allerersten Chat aber wurde mir schon klar, dass sich die Funktion der monatlichen Treffen im virtuellen Raum bei Skype keineswegs auf den lebendigen Austausch über Erfahrungen und Lerninhalte beschränkte. Von Anfang an war eine gegenseitige Wertschätzung, Nähe und Verbundenheit innerhalb der Gruppe spürbar. Dazu trugen auch Adis behutsame und umsichtige Moderationen entscheidend bei. Indem wir von Anfang an einander offen, achtsam und vertrauensvoll begegneten, war nicht nur ein gemeinsames Lernen möglich, sondern auch ein gemeinsames Wachstum auf unser Ziel hin, Trauerbegleiter zu werden. Es war für mich eine wunderbare Erfahrung, wie schnell aus unserer Gruppe eine Gemeinschaft im besten Sinne wurde. Ich habe es stets als großes Geschenk empfunden, angenommen und in jeder Hinsicht am rechten Ort zu sein. Diese Empfindung hat mich in allen Phasen unserer Ausbildung erfüllt und getragen.

Ganz besondere Erlebnisse waren unsere drei Wochenenden in der Herberge der Trauer in Arzbach bei Adi und Gila. Diese Wochenenden habe ich als sowohl inhaltlich wie auch menschlich überaus bereichernde Höhepunkte unserer Fortbildung erlebt, an denen die Verbundenheit unserer Gemeinschaft noch weiter wachsen konnte. Die Gänge durch das Labyrinth im wunderschönen Garten der Herberge beispielsweise waren unglaublich tiefgehende Momente der Selbst- und Gruppenerfahrung. Darüber hinaus erhielten wir ganz konkrete Einblicke in die Praxis der Trauerbegleitung. Wir konnten uns mit Ritualen und Methoden vertraut machen, mit der Planung, Durchführung und Nachbereitung von Trauergesprächen, mit der Gestaltung von Seminaren und Vorträgen. An diesen erfüllten und erfüllenden Wochenenden haben wir viel über uns selbst und voneinander erfahren; wir haben Lernen, Arbeiten und Essen als kreative Gemeinschaftserlebnisse gestaltet. Und wir haben von Adi wertvolle Anregungen und Materialien für unsere Arbeit mit auf den Weg bekommen.

Was Adi uns gegeben hat an Herzenswärme und Gastfreundschaft, dass er uns hat teilhaben lassen an seinem Wissen und seinem immensen Erfahrungsschatz, das hat mich in meinem ganzen Wesen tief berührt. Wenn ich heute sagen kann, dass ich auf dem Weg bin, Trauerbegleitung ins Zentrum meiner Arbeit zu stellen, so hat dies wesentlich damit zu tun, dass Adolf es nicht nur vermittelt, sondern dass er es beispielhaft vorlebt, wie wichtig, wertvoll und heilsam Trauerbegleitung ist. Für meine Begegnungen mit Trauernden, seien es Einzel- oder Gruppenbegleitungen, seien es das Trauercafé und die Seminare und Vorträge zu verschiedenen Trauerthemen, die ich derzeit zusammen mit einem Bestatter plane, fühle ich mich sehr gut gerüstet.

Adi und der Gruppe möchte ich für dieses intensive Jahr auch hier noch einmal ganz herzlich danken! Ich bin sehr froh, dass wir nach dem Ende der Ausbildung nicht einfach auseinandergehen werden. Es gibt das Trauerbegleiterforum, in dem wir uns zusammen mit anderen Absolventen der Ausbildung zum regelmäßigen Erfahrungsaustausch treffen können, und wir werden auch künftig sehr gern zu Seminaren in die Herberge der Trauer kommen.



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Ein intensives Jahr mit tief berührenden Erfahrungen1022Thomas Lindner04.03.2012 17:26


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